Warum Bewegung gegen Rückenschmerzen am besten hilft!

Aktualisiert: 29. Aug 2018

Ruhe, Schonen und Erholen ist nicht mehr die empfohlene Vorgehensweise bei Rückenschmerzen. Bewegung und schnelles Zurückkehren zu den Alltagstätigkeiten haben sich als deutlich sinnvoller erwiesen. Ich zeige Dir warum!


Körperliche Betätigung ist ein natürliches Wundermittel für unsere Gesundheit. Wir lernen immer mehr darüber, welch enorme Gesundheitsförderliche Wirkungen Bewegung für uns hat. Sie kräftigt nicht nur die Muskeln, stärkt Knochen und Gelenke und pflegt die Bandscheiben, sie fördert auch unsere Durchblutung, wodurch das komplette Fasziensystem unseres Körpers besser mit Flüssigkeit und Nährstoffen versorgt wird. Dadurch werden Entzündungen leichter gehemmt und Schlackenstoffe abtransportiert.


Außerdem hat Sport auch eine Reihe indirekter Vorteile für unsere Rückengesundheit. Beim Sport werden Endorphine ausgeschüttet, die unsere Laune verbessern, unsere Energielevel erhöhen und Entzündungen hemmen. Durch Sport lassen sich daher auch erhöhte Stresslevel und das Risiko für Depressionen und Angststörungen senken, Bewegungsabläufe und Koordination verbessern und bekanntermaßen auch Übergewicht reduzieren.


Schnell wieder bewegen, wenn auch nur leicht


Insbesondere bei Gelenk- und Rückenschmerzen ist es wichtig, so schnell wie möglich wieder anzufangen, sich zu bewegen. Denn dadurch werden die betroffenen Bereiche desensibilisiert. Das bedeutet, die Schmerzrezeptoren in unseren Gelenken, die aufgrund der Verletzung non-stop Signale an unser Gehirn senden, werden vermehrt gehemmt und die Schmerzen können abklingen. Um von diesen Effekten profitieren zu können, reicht ein leichtes Ausdauer- oder Fitnesstraining sogar schon aus. Studien haben nämlich gezeigt, dass mehr Training oder eine höhere Intensität diese Effekte nicht erhöhen.

Die Realität sieht noch immer anders aus


Oftmals wird Menschen mit Rückenschmerzen (oder anderen Beschwerden) jedoch immer noch empfohlen, eine komplette Bewegungspause einzulegen. Dies beruht auf der Annahme, dass nur Ruhe dem Körper zur Heilung verhelfen kann. Dabei ist es gerade die Bewegung, die - wie oben beschrieben - einen Großteil zu unserer Gesundheit beiträgt.


Erst vor einigen Tagen kam wieder eine gute Freundin (32 Jahre alt) zu mir und meinte, ihr Arzt hätte ihr nach ihrem Hexenschuss empfohlen, 8 Wochen lang auf jegliche sportliche Aktivität zu verzichten. Er hatte ihr zwar eine Bandscheibenvorwölbung diagnostiziert, aber eine solche Diagnose gehört zu den deklarierten „nicht-spezifischen Rückenschmerzen“ und ist sogar bei Menschen über 30, die niemals Rückenbeschwerden hatten, gang und gäbe. Darüber hinaus besagen hierzu auch die Versorgungsrichtlinien für den nicht-spezifischen Rückenschmerz der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2017 klar und deutlich: „Patienten sollen aufgefordert werden, körperliche Aktivitäten soweit wie möglich beizubehalten.“

Denn tun wir dies nicht, sondern werden untätig, besteht zudem eine erhöhte Gefahr, dass die Schmerzen überhaupt nicht mehr verschwinden und chronisch werden.



Betrachten wir die Ursachen von Rückenschmerzen als multifaktoriell (wie in meinem älteren Artikel mithilfe der Metapher des Fasses beschrieben), nutzen wir im Fall der Untätigkeit die bedeutende Möglichkeit nicht, unser Fass durch die direkten und indirekten Vorteile von Bewegung wieder zu leeren. Durch den Bewegungsmangel bleibt unser Fass stets bis zur obersten Grenze gefüllt und wenn sich nicht zumindest unser Stress oder andere Faktoren verringern, bleibt damit auch der Schmerz dauerhaft vorhanden, bzw. kommt immer wieder zurück.


Unbedingt den normalen Alltags-Tätigkeiten weiter nachgehen

Es ist daher wichtig, auch nach akuten Rückenschmerzen, weiterhin so gut wie möglich den bisherigen Alltags-Tätigkeiten nachzugehen und falls bei Dir Bewegung auch vor Deinen Rückenschmerzen schon Mangelware war, kannst Du jetzt die Chance nutzen, dies zu ändern.

Natürlich geht es nicht darum, direkt wieder mit voller Intensität Sport zu treiben und sich durch die Schmerzen durch zu quälen. Vielmehr geht es um eine Intensität und Dauer, die an unsere aktuelle Belastungstoleranzgrenze angepasst ist. Das bedeutet, realistisch einzuschätzen, was der Körper aktuell an Bewegungen und Intensität tolerieren kann und sich dann nach und nach zu steigern. Auch wenn das heißt, erstmal nur spazieren zu gehen und sich dann langsam Schritt für Schritt wieder an das Joggen heranzutasten.


Im folgenden Interview in der Fernsehsendung "Leichter Leben" erkläre ich nochmal genau, wie man beim Aktiv-Werden nach Rückenschmerzen genau vorgehen sollte und zeige auch direkt ein paar helfende Übungen.


Außerdem gilt es auch, sich genügend Erholung zu gönnen. Menschen, die übermäßig viel Sport treiben und dem Körper nicht genügend Zeit zur Regeneration geben, neigen genauso zu Rückenschmerzen wie solche, die sich sehr wenig bewegen.


Da jedoch bei den meisten Menschen in unserer westlichen Welt Bewegung heutzutage eher eine Mangelware darstellt, wird Sport bei Rückenschmerzen auch von immer mehr Gesundheitsexperten grundsätzlich empfohlen.


Eine kleine Randnotiz zum Ende: Während Steinzeitmenschen damals bestimmt eine höhere Belastungstoleranzgrenze, als wir heutzutage, hatten, fällt im Vergleich mit ihnen besonders auf, dass sie, trotz der deutlich höheren physischen Belastungen, viel seltener degenerative Gelenksveränderungen hatten. Bewegung ist demnach unabdingbar für die langanhaltende Gesundheit unserer Gelenke.




Falls Du bereit bist, aktiv zu werden, um gegen Deine Rückenschmerzen etwas zu unternehmen, aber vielleicht noch nicht genau weißt, was du genau tun kannst, dann nimm doch einfach an unserer 6-wöchigen Rücken Fit Challenge teil!


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Hier noch eine Liste von Studien und Artikeln für den interessierten Leser:


http://europepmc.org/abstract/med/27984429

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2016.00372/full https://www.leitlinien.de/nvl/html/kreuzschmerz/kapitel-1

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19185272

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28087891

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28087891

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26752509

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/22850802

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28369946

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28850347

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28034985